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Inhalt

Pauline Kael (1919–2001) war eine der einflussreichsten Filmkritikerinnen ihrer Zeit. Die gebürtige Kalifornierin veröffentlichte 1953 ihre erste Rezension und schrieb ab 1968 für den New Yorker. Sie wurde für ihre Meinungsstärke und Angriffslust gelobt, für ihre bisweilen subjektiven und schonungslosen Kritiken aber auch angegriffen. Ausgangspunkt für Kaels erfrischende Texte war ihr Selbstverständnis als ganz normale Zuschauerin. Kritiker, auf die sie großen Einfluss hatte, verehrten Kael, während sie von Regisseuren, deren Werke sie verriss, gehasst wurde. Sie ließ kein gutes Haar an inzwischen zu Klassikern gewordenen Filmen wie The Sound of Music und war hingerissen von Bonnie und Clyde. Kael wusste um die schwierigen Bedingungen für Frauen in der Filmbranche und im Filmjournalismus und sprach sich sowohl in ihren Rezensionen als auch im Rahmen öffentlicher Auftritte leidenschaftlich gegen Sexismus aus. Rob Garver verbindet in seinem Dokumentarfilm Zitate der Kritikerin mit Interviews und Filmen, über die sie schrieb, und zeichnet so das fesselnde Porträt einer kämpferischen Cineastin.

Kritik

Es ist deprimierend eine Filmkritik zu schreiben nach einer Auseinandersetzung - sei es auch eine so bequem schematische wie Rob Garvers dokumentarische Skizze - mit Pauline Kael. Ihr Metier ist im Verschwinden begriffen, kaum dass es sich etabliert hatte. Zu verdanken ist die kurzzeitige Manifestation der Filmkritik als mehr denn redaktionell redigierte Reklame, Fandom-Faning und Altherren-Akademismus zu großen Teilen Kael, die lapidar bemerkte: „It’s very difficult for men to accept the idea that women can argue reasonably.“ Very, very difficult. Doch die chauvinistischen Strukturen in Filmbranche und -kritik sind nur einer der unzureichend repräsentierten Aspekte eines spannenden Lebens, das die flaue Dokumentation abwürgt. 

Die Inszenierung ist alles, was die Hauptfigur nicht war: konventionell und konformistisch, gefällig und genügsam, artig und angepasst. Während Kael aufgrund der miesen Filme bisweilen ihren Optimismus verlor, jedoch nie den Mut, den Qualitätsmangel aufzuzeigen, ist das wohlwollende Porträt peinlich bedacht, niemanden zu verärgern. Dabei ist Leute, insbesondere Männer, zu verärgern etwas, das Filmkritikerinnen quasi berufsmäßig tun. Kael, die regelmäßig von Leserschaft, beleidigten Filmemachern und anderen Kritikern attackiert wurde, wusste das. Ein amüsantes Paradox, für das die Story ebenso blind ist wie für andere Widersprüche ihrer Biografie. Die schrieb sie sich praktisch selbst via der Kritiken, in die oft persönliche Erlebnisse einflossen.

Garver arrangiert Talking Heads, Archivaufnahmen und mehr Talking Heads als habe er ihre Texte in Gold gerahmt, aber nie gelesen. Originalität, Authentizität und Radikalität der bahnbrechenden Autorin werden nur schemenhaft greifbar. Die politische und sozialkritische Dimension ihres prägenden Schaffens verschwindet hinter redundanten Bestätigungen ihres Renommees. Der fortdauernde Kampf um berufliche Akzeptanz, die wirtschaftliche Instabilität („I came to the conclusion that it was just about impossible to make a living as a movie critic.“ Bitte das in Leuchtbuchstaben an einer Hauswand), die Jahre schwerer Krankheit verschweigt die brave Biografie. Nicht etwa, weil es Kael in unvorteilhaftes Licht rücken würde, sondern die Gesellschaft.

Fazit

Pauline Kael - nie gehört? Dank schaut diese Doku, die einen uninspirierten, doch passablen Lebensabriss gibt. Ihr findet Kaels Texte klasse? Dann schaut diese Doku, obwohl sie nie einorganisches Persönlichkeitsbild evoziert, um der Archivaufnahmen willen und für einige unterhaltsame Interviews. Ihr hasst Kael? Dann schaut unbedingt diese Doku, zur Strafe dafür, dass ihr eine der krass coolsten Heldinnen der Filmkritik hasst. Überhaupt sollten alle Rob Garvers Langfilmdebüt trotz dessen lässlicher Fehler anschauen, damit es zukünftig mehr Dokumentationen über interessante Frauenfiguren gibt. Und zuletzt (Zitat: Kick-Ass Kael): „Without critics you have nothing but advertisers.“

Autor: Lida Bach

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