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Nach einem plötzlichen, schweren Schlaganfall muss die 34-jährige Lotje Sodderland nochmal von vorne anfangen. Sie hat einiges verlernt, wie etwa das Schreiben, und vieles über ihr Leben vergessen. Kurz nachdem sie aus dem Krankenhaus kommt, nimmt sich Lotje eine Kamera und dokumentiert zusammen mit Sophie Robinson ihren Neustart.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Als sie von einem ganz normalen Abend mit Freunden nach Hause kommt und sich schlafen legt, bemerkt Lotje Sodderland plötzlich, dass etwas nicht stimmt. Mit extremen Kopfschmerzen wacht sie auf und kann sich gerade noch so in ein Krankenhaus schleppen, wo sie am Empfang stammelnd feststellt, dass ihr Sprachvermögen nicht mehr richtig funktioniert. Im Alter von gerade mal 34 Jahren erlitt Lotje einen schweren Schlaganfall, nach dem Teile ihres Gehirns offenbar für immer beschädigt wurden. Das Sprechen wird zu Herausforderung, Lesen und Schreiben hat sie völlig verlernt. 

Zusammen mit der Regisseurin Sophie Robinson lässt die Engländerin den Zuschauer in der Netflix-Dokumentation My Beautiful Broken Brain an ihrem schwierigen, außergewöhnlichen Weg zurück in ein koordiniertes Leben teilhaben. Die Ereignisse, die zu ihrem Schlaganfall geführt haben, werden von Freunden und Verwandten in Einzelgesprächen geschildert, was den Eindruck einer gewöhnlichen Dokumentation zunächst verstärkt. Ab dem Moment der Rehabilitation betritt My Beautiful Broken Brain allerdings experimentelle Pfade, wenn die Dokumentation versucht, dem Zuschauer das völlig neue, andersartige Empfinden von Lotje verständlich nahezubringen. 

Mit ihrem Schlaganfall ging nicht nur ein Verlust kognitiver und geistiger Fähigkeiten einher, sondern auch eine komplette Veränderung der Wahrnehmung. Lotje beschreibt ihre surreale, neue Sichtweise, bei der durch ihr rechtes Auge Farben ständig intensiv explodieren und Geräusche stark intensiviert werden, als befände sie sich in einem Film von David Lynch (Mulholland Drive). Auf der audiovisuellen Ebene transformiert die Dokumentation dieses spezielle Empfinden von Lotje in verfremdete Welten, in denen ebenfalls Farben wie aus einem Regenbogen auftauchen, Schriften und Abbildungen immer wieder verschwimmen oder verfliegen und Umgebungsgeräusche zu einem dichten Wirrwarr verkommen. 

My Beautiful Broken Brain gelingt es somit, die Gefühle der Hauptperson nicht nur zu schildern, sondern zusätzlich ein Stück weit nachempfindbar werden zu lassen. Im Mittelpunkt steht aber die aufgeweckte, inspirierende Persönlichkeit von Lotje selbst, die durch diese Dokumentation selbst zu einer Art Künstlerin wird, indem sie ihre Erlebnisse und Fortschritte mit dem iPhone filmt und somit eine Vielzahl an V-Logs produziert, die in den Erzählfluss der Dokumentation eingebunden werden. Hier nutzt sie ebenfalls die Gelegenheit, um ihrem mentalen Vorbild David Lynch persönliche Botschaften zu widmen. Ihre Videos bleiben vom Regisseur nicht ungesehen, denn Lynch nimmt später Kontakt zu Lotje auf, steht ihr mit Ratschlägen zur Seite und wird schließlich zum ausführenden Produzenten der Dokumentation. 

Die Lebensfreude und der starke Optimismus, mit dem sich diese Frau zurück in einen weitestgehend geregelten Alltag kämpfen will, verbissen Sprachtraining absolviert und gleichzeitig akzeptiert, dass sie sich aufgrund ihrer durcheinandergebrachten Wahrnehmung ein gänzlich neues Bild von der Welt erschaffen kann, machen aus My Beautiful Broken Brain eine sehr persönliche Angelegenheit, die den Betrachter unweigerlich mitreißt. 

Fazit

Der starke Charakter von Lotje, ihre Rehabilitation, die Neuanfang, Rückschlag, Last und Chance zugleich bedeutet sowie die experimentierfreudige Inszenierung sind die Kernelemente, die das Schicksal einer Schlaganfallpatientin einfühlsam, kreativ und unglaublich inspirierend vermitteln. My Beautiful Broken Brain ist daher eine überaus gelungene Dokumentation, die sich wirklich lohnt.

Autor: Patrick Reinbott

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