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Während eines Streiks in der Basketball-Liga NBA findet sich der Sportagent Ray Burke zwischen den Fronten wieder: auf der einen Seite die Liga, auf der anderen Seite die Spieler. Seine Karriere ist in Gefahr, aber trotzdem geht Ray volles Risiko. Ihm bleiben nur 72 Stunden für seinen gewagten Plan, in dem Rays junger Klient eine wichtige Rolle spielt. Der gewiefte Agent trickst die ganz Großen aus, denn er hat eine Lücke im System entdeckt, durch die das Spiel für immer verändert werden könnte. Vom Ergebnis des Plans hängt also einiges ab…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Die Kommerzialisierung des Profisports hat den gesunden Wettbewerbsgedanken durch die Mechanismen des Kapitalismus erstickt. Das ist keine neue Erkenntnis und trifft nicht nur auf die National Basketball League zu, in dessen Kosmos Steven Soderbergh (Traffic – Macht des Kartells) seinen neuen Film, High Flying Bird, angesiedelt hat, sondern auch auf jede andere Art des mit Unsummen dotierten Leistungssports wie Fußball, Football, Golf oder Tennis. Die Fragen, die wir Zuschauer uns inzwischen stellen, sind kaum andere als jene, die auch Opfer und Begünstigte dieser in unzählige Länder verkauften Milliardengeschäfte zu beantworten versuchen: Wer trägt Schuld an der rigorosen Form der Ausbeutung? Wie kann man diesem fehlgeleiteten Treiben fair Einhalt gebieten? Wie könnten sich mögliche Veränderungen auf den Markt und damit auch auf die Gesellschaft auswirken?

Ray Burke (André Holland, The Knick) ist Agent und hat mit Erick Scott (Melvin Gregg, Sharknado 3) gerade erst ein aufstrebendes Talent unter Vertrag genommen. In der NBA wird zurzeit jedoch gestreikt, was im nächsten Schritt bedeutet, dass nicht nur Burkes Geld langsam schwindet, sondern auch die nach Ruhm gierenden Rookies immer unruhiger werden. Schon allein an diesem, im Prinzip seit Jahrhunderten bekannten Umstand, macht High Flying Bird ersichtlich, wie sich Abhängigkeitsstrukturen im Profisport veräußern: Denn auch wenn Du es irgendwie geschafft hast, eine Rolle in der Oberliga einzunehmen, gibt es immer noch eine Etage über Dir, die Dich wie eine Marionette tanzen lassen kann, wenn ihr danach ist. Das Drehbuch von Tarell McCraney (Moonlight) eröffnet und erschließt hier jedoch einen weiteren, viel tiefgreifenderen Resonanzraum der Erzählung.

Die wirtschaftlichen Vorgehensweisen innerhalb der NBA, die Kommerzialisierung des Sportes, die Konflikte zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften, werden in High Flying Bird einer gesellschaftlichen Spiegelung unterzogen, welche bis auf die Mechanismen der Sklaverei zurückgreift. Wie oft zum Beispiel hört man heutzutage, gerade im Zuge groß angelegter Spielertransfers (man erinnere sich nur an den Brasilianer Neymar, der für eine sagenhafte Ablöse von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain wechselte), dass man hier Zeuge von modernem Menschenhandel wird. Der Mensch als Handelsware, als Verkäufer seiner eigenen Spezies. Die große Ungerechtigkeit, die aus diesen Gegebenheiten keimt – und die auch High Flying Bird anprangert –, ist die unverhältnismäße Machtverteilung zwischen den Spielern, die auf dem Platz an ihre Grenzen gehen sollen und denen, die die Spieler auf den Platz und bis an ihre Grenzen schicken.

Mag die Sklaverei auch seit dem 18. Dezember 1865 offiziell abgeschafft sein, ihren Nachwehen ist bisher noch kein Ende gesetzt. Nachdem einer alternativen League für Afroamerikaner in den 1950er Jahren keine Lizenz erstatten wurde, stattdessen aber der erste schwarze Basketballer Einzug in die NBA erhalten hat, lässt sich ein klares Muster erkennen: Die Schwarzen auf dem Feld, die Weißen in den Loungen der Führungsebenen. Steven Soderberghs High Flying Bird ist, noch mehr als Oliver Stones thematisch verwandter An jedem verdammten Sonntag, mitnichten ein Sportfilm, sondern eine gesellschafts- und systemkritische Analyse, dessen Diskussionsgegenstand von geschichtsträchtiger Bewandtnis ist. Übertragen durch die Strukturen eines Absatzmarktes, in dessen ökonomischen Grundstock der Rassenkonflikt seine Fäden zieht. Ray weiß das, er weiß, dass der Streik nur eine Frage der Zeit ist, deswegen lässt er sich nicht länger von ihm unterjochen, sondern bläst zum Gegenangriff.

In gewisser Weise greift Soderbergh damit auch eines seiner Lieblingsmotive erneut auf: Den Heist-Coup. Im Falle von High Flying Bird versucht Ray aber kein Vermögen oder Luxusartikel zu entwenden, sondern Herrschaftsverhältnisse inmitten eines materialistischen Konkurrenzsystems neu zu definieren. Die Institution der Sklaverei mag noch immer in Kraft sein, aber die Seiten sollen sich endlich verschieben: Wir müssen endlich lernen, das große Ganze zu sehen. Inszeniert ist das als ungemein frisches, unmittelbares Kino, welches vor allem durch seine exakt rhythmisierten Dialogsequenzen besticht. Die rhetorische Dichte von Tarell McCraney und Soderberghs nach Unsane – Ausgeliefert noch ausgereifteren, kunstfertigeren iPhone 7-Fotografien machen den Film zu einer mitreißenden, einer flirrenden Erfahrung, die nicht nur durch ihre Visualität besticht, sondern auch durch ihre profunde Cleverness. Quasi ein Werk, das die Sinne streichelt und den Kopf gleichermaßen herausfordert wie füttert. 

Fazit

Natürlich ist es mal wieder an Steven Soderbergh gelegen, den Ruf von Netflix ein Stück weit aufzupolieren: Sein "High Flying Bird" nämlich ist ein Erfolg auf ganzer Linie. Eine kluge, frische, wunderbar gespielte Gesellschaftsanalyse, die die Kommerzialisierung des Profisports zur Spiegelung von Rassenkonflikten nutzt und dabei zurückgreift bis auf die Mechanismen der Sklaverei. "High Flying Bird" ist damit nicht nur im höchsten Maße unterhaltsam, sondern regt gleichermaßen zum Nachdenken an.

Autor: Pascal Reis

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