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"Florence Foster Jenkins" erzählt die wahre Geschichte der gleichnamigen legendären New Yorker Erbin und exzentrischen Persönlichkeit. Geradezu zwanghaft verfolgt sie ihren Traum, eine umjubelte Opernsängerin zu werden. Es gibt nur ein winziges Problem: Die Stimme! Denn was Florence in ihrem Kopf hört, ist wunderschön - für alle anderen jedoch klingt es einfach nur grauenhaft. Ihr "Ehemann" und Manager, St Clair Bayfield, ein englischer Schauspieler von Adel, ist entschlossen, seine geliebte Florence vor der Wahrheit zu beschützen. Als Florence aber im Jahr 1944 beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall für die gesamte New Yorker High Society zu geben, muss sich St Clair seiner größten Herausforderung stellen...
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Nichts lag Florence Foster Jenkins mehr am Herzen als Musik. Schon als kleines Mädchen galt die New Yorkerin am Klavier als Wunderkind und spielte irgendwann sogar für den damaligen Präsidenten Rutherford B. Hayes. Als sie von ihrem ersten Ehemann mit Syphilis angesteckt wurde, war ihre Gesundheit durch die Langzeitfolgen jedoch so schwer angeschlagen, dass sie selbst ihren Beruf als Klavierlehrerin aufgeben musste, da die Nerven in ihren Händen nicht mehr zu kontrollieren waren. Die Millionenerbin suchte sich fortan eine neue Berufung, indem sie Gesangsunterricht nahm und ihren großen Traum, ein einziges Mal in der Carnegie Hall New Yorks vor Tausenden Menschen aufzutreten, verfolgte.

In seinem Biopic Florence Foster Jenkins beleuchtet Regisseur Stephen Frears (Die Queen) genau diesen Abschnitt des Lebens der titelgebenden Persönlichkeit, die real existierte und es sogar bis ins Guinessbuch der Rekorde schaffte. Ihr Ruhm war allerdings von fragwürdiger Natur, denn was offenbar jeder außer Florence selbst schnell feststellte, war die Tatsache, dass sie nicht singen konnte. Sobald Florence den Mund öffnete, entwichen ihren Stimmbändern grotesk schrille und niemals den Ton treffende Laute, die Glas zum Zerplatzen bringen könnten und das Publikum, vor dem sie auftrat, in lautstarkes Gelächter ausbrechen ließ. Nichtsdestotrotz wurde die Frau von den Massen bejubelt und als Star gefeiert, aber nur, weil sie von allen als unvergleichlich unterhaltsame Witzfigur empfunden wurde. Nur ihr damaliger Lebensgefährte, ihr Gesangslehrer sowie der neu angestellte Pianist machten ihr unentwegt Komplimente, sodass sie sich in ihrem nicht vorhandenen Talent bestätigt fühlte. 

Frears Film lebt zweifelsohne voll und ganz von seiner außergewöhnlichen Hauptfigur. Ein Lebensweg wie der von Florence, die trotz ihrer schweren Krankheit an das glaubte, was sie liebte, sang, als könne sie Berge versetzen und trotz ihres grandiosen künstlerischen Scheiterns zum angehimmelten Star wurde, ist der Stoff, aus dem große Werke entstehen können. Florence Foster Jenkins scheitert hingegen auf hohem Niveau an der unentschlossenen Erzählweise. Der Regisseur und sein Drehbuchautor Nicholas Martin können sich nicht entscheiden, ob sie die zu porträtierende Person würdevoll auf Händen tragen oder sich augenzwinkernd über sie lustig machen wollen. Wenn Frears Florences Auftritte vor Publikum als gröhlende Spektakel inszeniert, bei denen die Menge Tränen lacht, und den schrecklich schrägen Gesang der Frau über Minuten in die Länge zieht, wird die Protagonistin zur Witzfigur degradiert, über die sich der Zuschauer eindeutig amüsieren soll. 

Als Komödie funktioniert der Streifen aber so gar nicht, denn dafür sind das Drehbuch und vor allem die Leistungen der Schauspieler zu sehr darum bemüht, für ernstere Zwischentöne zu sorgen. Wenn Florence von ihrer tragischen Krankheitsgeschichte erzählt, durch die sie nicht nur die Fähigkeit zum Klavierspielen verlor, sondern auch keine Kinder mehr kriegen konnte, erhält der Film gleichzeitig den Anstrich eines Dramas, das kaum zum ansonsten heiter-ausgelassenen Tonfall passen will. Mit Meryl Streep (Im August in Osage County) konnte der Regisseur eine wahre Grande Dame Hollywoods für die Rolle der eigenwilligen Sängerin gewinnen, während Hugh Grant (Cloud Atlas) als ihr Lebensgefährte und Simon Helberg (The Selling) als neu angestellter Pianist auftreten. Streep spielt ihren Part mit routinierter Eleganz, wobei sie vor allem bei den Gesangsparts großartiges Gespür dafür zeigt, nicht vorhandenes Talent mit großem Talent zu verkörpern. Die Charaktere von Grant und Helberg sorgen hingegen erneut für unbeantwortete Fragen. Obwohl beide ihre Figuren sichtlich überzeugend spielen, werden sie vom Drehbuch hängen gelassen. 

Nie wird so wirklich klar, weshalb sie Florence Komplimente machen, um alles in der Welt versuchen, den falschen Schein aufrecht zu erhalten und sie dadurch dem Risiko aussetzen, dass ihr Herz bei der Realisierung der Wirklichkeit zerbrechen wird. Erst in der außerordentlichen Schlussszene, die als einzige des Films mitten ins Herz trifft, erhält Florence die respektvolle, anrührende Würdigung, die sie verdient.

Fazit

Stephen Frears widmet sich in seinem Biopic "Florence Foster Jenkins" einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die einen eigenen Film über sich mehr als nur verdient hat. Der Umgang mit einem markanten Abschnitt aus dem Leben der "schlechtesten Sängerin der Welt" ist jedoch von erzählerischen Unebenheiten geprägt, bei denen sich der Film nie zwischen bloßstellender Komödie und bedächtigem Drama entscheiden kann. Trotz der passend ausgewählten Darsteller ist der Film daher auf hohem Niveau gescheitert und wird seiner besonderen Hauptfigur zu selten wirklich gerecht.

Autor: Patrick Reinbott

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