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Wonach schmeckt das Leben? Für die lebensfrohe Nikki (Antje Nikola Mönning), ist die Antwort klar: nach Sperma. Genussvoll kostet sie das bei jeder Gelegenheit aus, denn sie betreibt einen Video-Blog und fährt auf der Suche nach Menschen und ihren Geschichten mit ihrem Land-Rover durchs Land. "Mich interessieren nicht so sehr die Themen, die abends in den Nachrichten gezeigt werden oder so, sondern mehr das, was die Menschen auf der Straße erzählen. Jeder Mensch hat ja 'ne Geschichte." Frech, spritzig und mit viel Leichtigkeit gibt der Film einen voyeuristischen Einblick in die Wünsche und Sehnsüchte der Protagonisten.

Kritik

Wonach schmeckt das Leben? Nun, für die neue wtp international Produktion ist die Antwort - auch nach dem Klappentext - schnell klar: Sperma! Bereits hier, als auch mit dem Cover sowie den ersten Einstellungen des Filmes wird klar, hier steht eine gewisse Provokation nebst einer avantgardistischen Inszenierung im Vordergrund. Doch ist die Reise der lebensfrohen, dauergrinsenden und exhibitionistischen Sperma-Liebhaberin Nikki (zumindest noch am authentischsten von Antje Mönning gespielt) wirklich fortschrittlich, provokativ und philosophisch? Oder verrennt sich Regisseur Roland Reber (Die Wahrheit der Lüge, Illusion) in seinen eigenen Intentionen und Absichten? Die Antwort darauf ist bereits ab der Hälfte des Filmes, der nach Theaterexzessen, der narrativ aufgehübscht verstörenden „Die Fi(c)ktion des Monats“, und einiger Blowjobs wirklich an den Nerven zerrt, einigermaßen ersichtlich: Denn anders als von Mira Gittner und Antje Mönning gewollt, verliert sich der Film nicht in einer Freiheit der Lust, sondern eher in reaktionären Machtstrukturen, die am Ende für ein mittelgroßes Kopfschütteln sorgen.

Doch macht dies Wonach schmeckt das Leben? mit seinen pseudo philosophischen und stark gewollten Dialogen – die zudem sehr konstruiert vorgebracht werden – zu einem gescheiterten Kunstprojekt? Nun, zum Teil. Denn während lockere Attitüden wie „Der Saft ist die Kraft“ sich mit „Was ist ein Mann?“ vermischen, ist zumindest der Film an vielen Stellen Auffordernd. Auffordernd in dem Sinne, dass der Zuschauer sich mit der gezeigten Materie, den offensichtlich falschen Figuren und Dialogen auseinandersetzen muss. Dies hat natürlich mit Unterhaltung wenig zu tun, birgt aber einige spannende Fragen, die der Film über sich ergehen lassen muss: Versucht der Film einen durchaus krankhaften Hass auf Frauen durch seine voyeuristischen Strukturen zu determinieren? Ist die Vergewaltigungsfantasie des Pimmelfürstes ein Rückschluss auf die Haltung der eigenen Figuren oder gar Gesellschaft? Und bleibt die Suche nach dem nächsten Blowjob inklusive genüsslichen Spermaflusses nicht eine Erniedrigung und eine Dauerhafte Unterordnung gegenüber männlicher Machtstrukturen? Soweit und so radikal will Roland Reber mit seinem Film auf jeden Fall nicht gehen, entschärft er doch stets seine Darstellungen mit unfreiwillig wirkenden nackten Männern oder der völlig überzeichnenden Talkshow am Ende, wo sich der „Mann“ gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Konventionen verteidigen muss.

Macht dies aus Der Geschmack von Leben somit ein lebendiges wirkungsvolles und provokantes Kunstwerk? Leider nein: Auch wenn Roland Reber in vielfacher Weise auf der richtigen Spur ist und sich gewagt in Thesen stürzt, mehr als ein mittelmäßiges Essay oder Kunstprojekt bleibt am Ende nicht übrig. Dies liegt vor allem an den einfachen Sätzen und der fehlenden Tiefgründigkeit. Wenn im Finale Nikki feststellt, dass wir doch alle nur Menschen und Mann und Frau als Kategorie egal sind, dann möchte man als Zuschauer fast loslachen. Doch so leicht ist es dann doch nicht: Etwas sexuelle Freiheit bleibt am Abspann doch übrig und das Gefühl, zumindest in Ansätzen etwas Kunst genossen zu haben. Diese schmeckt allerdings sehr restriktiv, rückwärtsgewandt und weit nicht so kraftvoll, wie es Nikki und ihre sexuelle Reise gerne hätte. Der Versuch Geschlechterrollen zu karikieren, aufzureißen und neu zu stapeln scheitert zumindest kläglich. Die Ironie bleibt zu oft im Hintergrund, das gewisse künstlerische Etwas außen vor. Dem Feminismus macht Der Geschmack von Leben auf jeden Fall leider keinen gefallen.

Fazit

"Der Geschmack von Leben" ist trotz seiner provokanten Aufmachung, Art, Inszenierung und künstlerisch gewollter Poesie letztlich viel zu handzahm, weich und inhaltsleer. Mehr noch: Regisseur Roland Reber entwirft ein regressives Bildnis der Sexualität und offenbart uns ein zuweilen ungewollt ein doch sehr dürftiges Bild der Frau und somit verbunden des Feminismus. Zumindest als Start für gewisse Diskussionen und Fragen und als erstaunlich vielseitiges Laientheater funktioniert er aber prächtig. Vielleicht fehlte einfach etwas Ananassaft!

Autor: Thomas Repenning

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